Eine eTwinning-Schule in Brandenburg
Das Friedrich-Gymnasium in Luckenwalde
Das Friedrich-Gymnasium in Luckenwalde ist eine Schule mit mehr als 900 Schülern im Süden Brandenburgs. Als erste Schule in Brandenburg erhielt sie 2008 das eTwinning-Qualitätssiegel. Wir haben uns gefragt, wie eine Schule zur eTwinning-Schule wird, und sprachen darüber mit Alexandra Hempel, Englischlehrerin am Friedrich-Gymnasium und eTwinning-Moderatorin für Brandenburg.
„Als ich auf einer Comenius-Konferenz das erste Mal von eTwinning-Projekten hörte, war ich ganz fasziniert. Zurück in Luckenwalde habe ich mit meiner Kollegin, die mit mir Englisch in der 12. Jahrgangsstufe unterrichtet, eTwinning im Internet erkundet. Die Schüler waren auch begeistert und wir haben uns sofort einen Partner in Spanien gesucht.“ Das erste eTwinning-Projekt zum Thema „Kunst und Architektur“ motivierte nicht nur die Schülerinnen und Schüler zu kreativem Austausch, sondern überzeugte auch die Koordinierungsstelle von eTwinning: 2008 erhielt das Friedrich-Gymnasium in Luckenwalde für „On the trail of ‚crazy’ architecture“ als erste Schule in Brandenburg das eTwinning-Qualitätssiegel.
Schulpartnerschaften gehören zum Schulprogramm
Seit 1999 beteiligt sich die Schule am Comenius-Programm, arbeitet seit 2007 mit eTwinning und hat die Schulpartnerschaften inzwischen ins Schulprogramm aufgenommen. Alexandra Hempel weiß das zu schätzen: „Dadurch gibt es auch keine Ängste, dass der Unterricht zu kurz kommt. Wir integrieren eTwinning so in den Unterricht, dass es an ein Unterrichtsthema gebunden ist. Alles andere machen wir in AGs.“
Das Friedrich-Gymnasium Luckenwalde als „eTwinning-Schule“ zu bezeichnen, ist nicht übertrieben. Sechs aktive Projekte gibt es mittlerweile und die Begeisterung des Englischfachbereichs zieht weitere Kreise. Die Schulleitung unterstützt das europäische Engagement, eine Fortbildung fand an der Schule statt und inzwischen plant auch der Fachbereich Französisch eTwinning-Projekte.
Medienpädagogik und Informationstechnik gemeinsam entwickeln
Ausgezeichnet mit dem eTwinning-Qualitätssiegel, konnte das Friedrich-Gymnasium an der Vorpilotphase zum Medienentwicklungsplan im Land Brandenburg teilnehmen. So wird in Luckenwalde der Ausbau der Schule mit Informationstechnik auch medienpädagogisch begleitet. Da kommt eTwinning gerade im richtigen Moment. „Wir haben drei gut ausgestattete Computerräume und nutzen sie regelmäßig im Unterricht. Seit Februar 2008 haben wir uns mit Medienentwicklungsplanung an unserer Schule befasst. Inzwischen haben wir die Förderzustimmung erhalten, sodass unsere Schule in den nächsten Jahren erhebliche Mittel aus dem EFRE-Fonds der EU bekommt, um technisch aufzurüsten. Konkret sieht es so aus, dass in vielen Räumen interaktive Beamer installiert und PCs aufgestellt werden. Zusätzlich werden noch Computerinseln für Schüler aufgebaut.“
Mit eTwinning gehört die Verständigung in der Fremdsprache zum Alltag
Alexandra Hempel und ihre Kolleginnen sind überzeugt, dass die neuen Medien ihren Fremdsprachenunterricht einfacher und aktueller machen. Sie schätzen die Möglichkeit, über das Internet Partner in den Unterricht einzubinden, um gemeinsame Projekte zu realisieren. Ihr Rezept für erfolgreiches Unterrichten mit eTwinning ist die frühzeitige und weitgehende Beteiligung der Schüler. „Motivationsprobleme bei den Schülern hatten wir nie“, stellt sie fest. Für die Jugendlichen ist eTwinning sehr reizvoll, wie die Lehrerinnen immer wieder feststellen. „Sie können ganz einfach ihr Englisch anwenden und schätzen diese Art, neue Freunde kennen zu lernen.“ Ein zusätzlicher Anreiz für die elektronische Zusammenarbeit ist der Schüleraustausch, mit dem die Luckenwalder ihre eTwinning-Partnerschaften krönen.
Interkulturelles Lernen mit Medien
Für das mit Schulpartnerschaften erfahrene Gymnasium in Luckenwalde ist es selbstverständlich, dass auch kulturelle Unterschiede und Gewohnheiten thematisiert werden. Auch in der Online-Kommunikation kann es zu Missverständnissen kommen, wenn nur das geschriebene Wort zählt. So lernen die Jugendlichen früh, sich möglichst klar auszudrücken. „Man lernt vielleicht noch ein bisschen höflicher zu sein, als man es sonst wäre, wo man mit einem Lächeln oder einem Blick Unklarheiten beseitigen kann. Wir thematisieren auch bestimmte kulturelle Unterschiede. Das ist ja auch bei einem Schüleraustausch wichtig. Man kann nicht erwarten, dass alles so aussieht wie zuhause und es das gleiche Essen gibt. Und dass alle die gleichen Gewohnheiten haben, mit solchen Unterschieden befassen wir uns schon sehr.“
eTwinning und Comeniuspartnerschaften
Das Luckenwalder Gymnasium kombiniert seit letztem Jahr seine Comenius-Projekte mit eTwinning. Zum einen erleichtert eTwinning die Partnersuche und zum anderen können sich die Schüler bereits vor der tatsächlichen Begegnung über gemeinsame Projektarbeit kennenlernen. „Für mich ist das die ideale Kombination. Man hat eine Internet-Plattform für die einzelnen Projektgruppen, kann sich dort treffen und Dateien austauschen. Jetzt im Winter haben meine Schüler Weihnachtsfotos eingestellt. Der regelmäßige und auch informelle Kontakt bringt die Jugendlichen wesentlich näher zusammen, es vereinfacht die Arbeit auch wesentlich.“ Alexandra Hempel sieht auch große Vorteile für die Comenius-Partnerschaften. Lief der Kontakt früher vor allem über die betreuenden Lehrer, so beteiligen sich die Schüler jetzt bereits in der Vorbereitung der Partnerschaft. „Jetzt haben wir eher eine große Gemeinschaft und die Kontakte sind dauerhafter. Das bringt ein bisschen mehr.“
Seit Januar 2009 trägt Alexandra Hempel als eTwinning-Moderatorin dazu bei, dass auch andere Schulen in Brandenburg von ihrer eTwinning-Begeisterung angesteckt werden. Sie will den Kontakt zu den 940 Schulen im Land intensivieren, Informationsveranstaltungen durchführen und Kollegen von den Vorteilen des eTwinning-Programms überzeugen. Genug Ideen hat sie und sie weiß von ihren Comenius-Veranstaltungen, dass das Interesse für eTwinning wächst. Für Alexandra Hempel ist das Beste an eTwinning, dass „die Schüler die Möglichkeit haben, in der Schule, außerunterrichtlich und auch von zuhause aus selbständig das Projekt mit zu prägen. Und dass es auch nichts kostet; denn die Mittel schränken uns ja auch oft ein.“
Bericht: Andrea Lummert
Mehr dazu
Friedrich-Gymnasium Luckenwalde
Projekthomepage On the trail of crazy architecture (bitte den Links Fächer, Englisch und eTwinning folgen)
Projekt Movie Bridges - how two small films can enlarge horizons (Comenius-Projekt)
Präsentation von Frau Hempel über die Erfahrungen auf dem Weg zum MEP an ihrer Schule
Interview mit dem Ländervertreter Dr. Kaden zu eTwinning in Brandenburg

