Projekt des Monats Januar 2006
The Fist
Virtuell reisen mit eTwinning: Europa mit Medien entdecken

„Fist“ steht für die Faust und damit für die fünf Finger Kreativität, Toleranz, Aktivität, Bilingualität und enthusiastische Jugendliche. Die Berliner „Schule an der Malchower Aue“ lernt nun seit fast einem Jahr gemeinsam mit ihren Partnern „Kalmar Laszlo Secondary Computer Technical School“ in Ungarn, der „Karmelava Balys Buracas Secondary School“ in Litauen und dem Sportzentrum in Estland. Dazu nutzen Sie gezielt das Thema „Europa“ und suchen in laufenden Projekten und in Standard-Unterrichtsfächern Anknüpfungspunkte. Die Mediennutzung zur Zusammenarbeit gehört dabei zum Schulalltag.
Mit eTwinning will die Schule an der Malchower Aue, Sonder- und Förderschule in Berlin, gezielt die Medienpädagogik ihrer Schülerinnen und Schüler verbessern. Schulleiterin und eTwinning-Projektleiterin Isolde Adling: Bei uns gibt es das Fach „Arbeitslehre“ und dazu gehört auch Medienkompetenz. Das bedeutet, dass alle Schülerinnen und Schüler zwei Stunden pro Woche Unterricht in der Mediennutzung haben. Als die neunte Klasse in diesem Frühjahr im Rahmen des eTwinning Projektes mit der Recherche zum Thema Europa begonnen hat, haben auch alle anderen Klassen diese Aufgabe übernommen.“
Was frühstückt man eigentlich in Ungarn?
Schließlich bietet Europa eine große Themenvielfalt für die Medienarbeit und viele Anknüpfungspunkte zu verschiedenen Fächern und Projekten innerhalb der Schule. „Bisher sind wir zwar erst mit zwei Lehrerinnen und der nun zehnten Klasse direkt am eTwinning-Projekt beteiligt. Indirekt jedoch arbeitet die ganze Schule mit, indem wir beispielsweise die Recherche zu Europa in der ganzen Schule durchgeführt haben. Oder wir erhalten Unterstützung aus anderen Fächern und nutzen laufende Projekte“, erklärt Isolde Adling. Unterstützung erhalten sie beispielsweise durch den Deutschlehrer, wenn in der Deutschstunde die Schülerzeitung erstellt und über die eTwinning-Aktivitäten berichtet wird. Oder durch die Englischlehrerin, die zum Projektstart bei der sprachlichen Vorbereitung geholfen hat und auch im laufenden Projekt zur Stärkung der englischen Sprachkenntnisse beiträgt. Und im Bereich Projekte gibt es die Schülerfirma „Satma“, die sich mit dem Thema Gastronomie widmet und jeden Morgen ein gesundes Frühstück herstellt. Dieses wird dann in der Schule verkauft. „Satma“ hat eTwinning aufgegriffen und prompt von jedem Partnerland ein Gericht hergestellt.
Ein Wörterbuch für Notfälle
Gestartet sind die vier Partnerschulen, die komplett verschiedene Schulformen haben, zunächst mit einem „Survival-Wörterbuch“ - ein Minimalwörterbuch mit den 25 wichtigsten Sätzen in Ungarisch, Litauisch, Deutsch und Englisch. Denn Englisch ist die Kommunikationssprache. Die Texte haben die Schülerinnen und Schüler mit einem Textverarbeitungsprogramm erstellt und dann zu einem Survival-Wörterbuch zusammen geführt. Ziel war es, dass die Beteiligten alle 25 Sätze in Englisch und jeweils fünf in der anderen Sprache beherrschen. „Das ist gar nicht so einfach“, meint Isolde Adling schmunzelnd. „Denn manche Silben sind richtige Zungenbrecher.“
Die Internetrecherche zu den Partnerländern, und im Anschluss zu allen übrigen europäischen Ländern, war das nächste Thema. So machten alle Kinder und Jugendlichen der Schule an der Malchower Aue per Internetbrowser eine virtuelle Reise durch ganz Europa. Das ist für sie aufregend und etwas Besonderes, denn die meisten kennen keinen Urlaub und keine anderen europäischen Länder. Und einen Computer haben die meisten auch nicht zuhause. Die Neugier auf die europäischen Nachbarn und die Lust auf die Arbeit am Computer sind deshalb mitunter so groß, dass einige von ihnen selbst in den Ferien in die Schule gekommen sind, um im Computerraum an der europaweiten Recherche zu arbeiten. Das hat selbst den Schulpsychologen überrascht.
Die Recherche ist für die Schülerinnen und Schüler an der Schule an der Malchower Aue eine besondere Herausforderung: sehr viel lesen und Wesentliches vom Unwesentlichen unterscheiden lernen. Die Daten zu den Ländern haben die Schülerinnen und Schüler in Excel festgehalten und so eine kleine Datenbank zu Europa aufgebaut. Natürlich durfte auch eine Powerpoint Präsentation zu ihren Partnerländern nicht fehlen.
Motivation zum Lesen und Schreiben
Der E-Mail Austausch ist bisher noch etwas verhalten. Zwar hat jede Schülerin und jeder Schüler eine eigene E-Mail Adresse innerhalb des lo-net Klassenraums, doch die Motivation zum Lesen und Schreiben ist nicht sehr ausgeprägt. Der Einsatz der Medien soll dabei helfen, sie mehr ans Lesen und Schreiben heranzuführen und so die Kommunikationsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen Schritt für Schritt zu stärken. Isolde Adling und ihre Kollegin haben es auch schon geschafft, Eltern in das eTwinning-Projekt einzubinden. Sie arbeiten dann gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern im Computerraum. Allerdings ist das eher noch die Ausnahme.

Im Laufe der Zusammenarbeit hat es in der Schule an der Malchower Aue schon einige kleinere Erfolgserlebnisse im eTwinning-Projekt gegeben: Eine Schülerin, die eine Leseschwäche hat und trotzdem bemerkt hat, dass ein Klassenkamerad die Stichpunkte für die Recherche nicht richtig eingegeben hatte. Oder ein Schüler, der regelmäßig Liebesbriefe an eine ungarische Schülerin per E-Mail verfasst und sich für die Übersetzung bei Isolde Adling Hilfe holt. Solche Erlebnisse machen die Schülerinnen und Schüler stolz und mutig. Außerdem werden Schülerinnen und Schüler, die sich mit den Medien besonders gut auskennen, zu Expertinnen und Experten ernannt nach dem Motto „Schüler helfen Schülern“. „Es ist ganz wichtig an der Stelle anzuknüpfen, wo sie stehen und was sie können. Das stärkt ihr Selbstvertrauen und sie zeigen damit ‚ich kann auch etwas’ “, erklärt Isolde Adling.
Weitere Ideen für die Zusammenarbeit stehen bereits auf dem Wunschzettel für das Neue Jahr. „Europäischer Frühling“, „gesunde Ernährung“ und das Thema „Prävention von Gewalt“. Genügend Themen also, um gemeinsam die Mediennutzung und damit auch die Kommunikationskompetenz der Schülerinnen und Schüler voranzubringen. „Denn der Computer motiviert unsere Schülerinnen und Schüler sehr. Und natürlich die Neugier auf das fremde Land. Unsere erste Begegnung mit unseren Partnern in diesem Jahr war das größte für sie. Und der nächsten Begegnung fiebern sie natürlich schon wieder entgegen.“
Autorin: Bettina Zeidler



