Projekt des Monats Februar 2006
The Celts – our common past
eTwinning hilft beim Verständnis europäischer Geschichte
Die gemeinsame Geschichte beginnt bereits vor mehr als 2000 Jahren. Damals lebten die Kelten in Zentral- und Westeuropa. Genau dies ist der Ausgangspunkt der Schulpartnerschaft zwischen der „Regionalen Schule Untermosel“ in Kobern-Gondorf und der irischen „Christian Brothers School“ in Dingle (Co. Kerry), um nach den gemeinsamen Spuren zu suchen. Mit eTwinning lässt sich diese Aufgabe spielerisch im Unterricht integrieren.
Schon seit 22 Jahren reist Georg Schneider, Lehrer für Geschichte und Englisch an der Regionalen Schule Untermosel und eTwinning-Projektleiter, nach Dingle in der Grafschaft Kerry. Von der irischen Kultur und ihren Menschen ist er fasziniert. „Deshalb haben wir schon länger an ein EU-Projekt mit Irland gedacht“, erzählt Georg Schneider. „Doch sind die EU-Anträge ja meist recht aufwändig. Als ich von eTwinning hörte, bot sich die Gelegenheit, eine Schulpartnerschaft unkompliziert zu starten und in den Unterricht zu integrieren. Und so habe ich meine Kontakte vor Ort in Dingle genutzt und einfach gemeinsam mit unseren irischen Partnern losgelegt.“
Geschichte im europäischen Zusammenhang begreifen
„The Celts – our common past“ heißt ihr gemeinsames Projekt. Georg Schneider und sein irischer Kollege Thomas McCarthy wollen, dass ihre Schülerinnen und Schüler Geschichte im europäischen Zusammenhang begreifen. Die keltische Geschichte bringt dies anfassbar zu Tage. Noch heute gibt es gerade in der Region Rhein-Mosel und Hunsrück-Eifel Zeugnisse keltischer Kultur, denn zwischen 500 und 250 v. Chr. war hier keltisches Stammland. Stammland, das später seine Bedeutung in der keltischen Welt verlor. „In unserer Gegend finden Sie noch einige Hügelgräber und gallorömische Bauernhöfe sowie keltische Heiligtümer wie den Goloring bei uns in Kobern-Godorf. Insofern ist dies für uns auch ein Stück Heimatkunde. Allerdings ist die keltische Kultur in Deutschland verwässert, während es in Irland viel offensichtlichere Zeugnisse wie Steinkreise, Ringforts oder die Holy Stones gibt. Deshalb ist das geschichtliche Bewusstsein der Iren wohl ausgeprägter, als das der Deutschen“, erklärt Georg Schneider. „Doch besuchen Sie mit Schülerinnen und Schülern ein Hügelgrab und sagen Sie ihnen, dass es über 2500 Jahre alt ist. Spätestens da beginnt ein Denkprozess.“
Selbstständig Methoden und Medien für den Alltag nutzen
Ein weiteres Projektziel sind natürlich das Training der englischen Sprache und die praktische Mediennutzung. Im Englischunterricht werden Texte erstellt und vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Da lässt sich ein Gespür für die Sprache im realen Leben entwickeln. „Die Mediennutzung“, so Georg Schneider „reicht bei uns bis ins fünfte Schuljahr zurück. Damals habe ich mit meiner jetzigen neunten Klasse beispielsweise mit der Internetrecherche begonnen. Langsam - Schritt für Schritt. Das ist ein langer Prozess. Und heute kommen immer wieder Dinge heraus, vor denen ich nur den Hut ziehe. Mir geht es dabei jedoch nicht darum, am Ende ein bestimmtes Ergebnis, etwa eine schicke Website zu haben. Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, dass die Schülerinnen und Schüler selbstständig Methoden und Medien nutzen können. Außerdem sollen sie vor allem auch Spaß und Erfolg beim Kontakt mit ausländischen Schülern haben.“
Wir betrachten uns von beiden Seiten
Nach dem ersten Kennenlernen per E-Mail, Dateiaustausch, Schwarzes Brett und Chat im TwinSpace auf www.etwinning.net geht es nun darum, bestimmte Details aus der keltischen Vergangenheit herauszugreifen, diese auszuarbeiten und mit den irischen Freunden zu besprechen. Ein Beispiel sind die Hügelgräber: Besichtigung vor Ort, historische Stätten vermessen und Photos machen. Dann im Internet Daten recherchieren, zwischen kleineren, größeren, bedeutenden und unbedeutenden Gräbern und Funden unterscheiden. Fragen per E-Mail und Chat mit den irischen Freunden klären, einen kleinen Bericht oder eine Präsentation erstellen. Parallel dazu schauen die irischen Freunde nach Dingen, die nicht in Deutschland zu finden sind. „Das ist eine wunderbare Sache. Denn so fügen wir unsere gemeinsame Geschichte mit Puzzlestücken von beiden Seiten zusammen“, freut sich Georg Schneider. Im Anschluss an diesen Projektabschnitt soll es um die Menschen und ihre Denk- und Lebensweisen gehen. Denn da gibt es durchaus Parallelen zwischen den Menschen in Kerry und der rheinischen Frohnatur: „Beide lieben wir es, Feste zu feiern, haben einen ähnlichen Humor und gehen herzlich miteinander um.“
Mit Motivation gibt es immer eine Lösung
Da die irischen Freunde derzeit im so genannten „Transition Year“ sind, kommen sie nur nachmittags in die Schule. Also muss jetzt eine andere Lösung her: Nun chatten die deutschen Schülerinnen und Schüler von zuhause aus und treffen sich zusätzlich auch schon mal nachmittags in der Schule. „Das ist manchmal vielleicht nicht ganz einfach zu koordinieren, doch die Schülerinnen und Schüler finden das ok. - „Schließlich sind die Neugier und Motivation groß“, meint Georg Schneider. „Und überhaupt lässt sich eTwinning wirklich einfach in den Unterricht integrieren. Dafür ist immer Zeit.“
Autorin: Bettina Zeidler
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