Die Nationale Koordinierungsstelle eTwinning ist angesiedelt bei Schulen ans Netz e.V.

Projekt des Monats Juni 2006

 

Échange entre les ports: Marseille – Hambourg

Marseille liegt gleich um die Ecke

eTwinning-Logo mit Flaggen

Im direkten Austausch mit Muttersprachlern lassen sich Sprachen bekanntlich am einfachsten lernen. Und mit eTwinning liegt Marseille gleich um die Ecke von Hamburg. Wie das im Schulunterricht geht, machen die 7. bis 9. Klassen der Brecht-Schulen in Hamburg gemeinsam mit dem Collège Saint Louis in Marseille vor. Denn: Wie lässt sich ein Schulbuch aus dem Fremdsprachenunterricht besser mit Leben füllen, als mit dem direkten Kontakt ins Nachbarland?


Eine Kollegin von Sybille Narbutt, Lehrerin am Collège Saint Louis in Marseille, hatte die Brecht-Schule über den TwinFinder auf www.etwinning.net gefunden. Seitdem lernen die Schülerinnen und Schüler beider Schulen gemeinsam Englisch. „Warum nicht auch zusammen Französisch bzw. Deutsch lernen“, dachten sich Sybille Narbutt und Felix Lund, Lehrer an den Brecht-Schulen in Hamburg.

 

Schulbesuch in Marseille

Lernen auf Augenhöhe

Die Idee dahinter ist einfach: Wenn Jugendliche unterschiedlicher Länder miteinander lernen, geschieht dies auf Augenhöhe. „Die Hemmschwellen sind wesentlich geringer und das Lernen ist unkompliziert“, erklärt Felix Lund, „sie trauen sich einfach mehr zu und haben keine Angst, Fehler zu machen.“

So zum Beispiel die 9. Klasse. Als Felix Lund ihnen Bilder von einem ersten Marseille-Besuch mit seiner 8. Klasse zeigte, kam Begeisterung auf. Und als er sie aufforderte, etwas über ihre Musik zu schreiben, haben sie innerhalb von drei Stunden E-Mails und eine Präsentation über ihre Musik verfasst. „So motiviert und begeistert habe ich diese Schülerinnen und Schüler schon lange nicht mehr gesehen. Da ging ein Feuerwerk los! Denn das Gefühl ,Wir reden mit den Franzosen’, das ist etwas Besonderes!“

 

Das Schulbuch wird lebendig

Der Aufhänger für die Partnerschaft lag schnell auf der Hand: Hamburg und Marseille sind Hafenstädte mit der Elbe bzw. der Rhône als Lebensader für Handel und Reisen, Musik, Kunst und Kultur. Außerdem haben die französischen Schülerinnen und Schüler gerade das Thema „Hamburg“ im Deutschunterricht behandelt. Und wie lässt sich ein Schulbuch besser mit Leben füllen, als mit einem persönlichen Kontakt zu „echten“ Hamburgern?

 

Den praktischen Nutzen entdecken

Seitdem lernen die Schülerinnen und Schüler der 7. bis 9. Klassen der Brecht-Schulen in Hamburg und des Collège Saint Louis in Marseille gemeinsam Französisch bzw. Deutsch. Manche Schülerinnen und Schüler denken, Französisch sei nicht so wichtig. Schließlich ist diese Sprache kein Hauptfach und wird nicht geprüft. Doch seit eTwinning spielt das keine Rolle mehr. Durch den direkten Kontakt mit den französischen Partnern ist es leicht, erkennen die Schülerinnen und Schülern den Sinn und lernen, den Unterrichtsstoff spielerisch für sich zu erkunden. Ein Beispiel ist der Einsatz des Wörterbuches. Im praktischen Einsatz, sei es für eine E-Mail oder für eine Präsentation, wird es griffig und verständlich. 

 

Texten im Klassenzimmer

Die Motivation kommt fast von allein

„Hier ist ein Thema, mach was draus. Schreib deinem Partner“. Dieser Satz trägt die meisten Früchte, wie Felix Lund aus Erfahrung zu berichten weiß. „Ob die Schülerinnen und Schüler den Text dann gleich in Französisch schreiben oder erst in Deutsch und dann übersetzen – das bleibt ihnen selbst überlassen. Wichtig ist, dass es ihr Thema ist und sie gewisse Freiheiten haben, wie sie die Aufgabe umsetzen. So entwickeln sie ihren eigenen Schreibstil“, erklärt Felix Lund. Auch die Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen, die erst mit Französisch begonnen haben, sind bereits die ersten Schritte gemeinsam gegangen. „Sich zur Begrüßung selbst zu beschreiben ist keine leichte Aufgabe. Deshalb haben wir zunächst andere Themen rund um unsere Schule gewählt“, erklärt Felix Lund. In Teams haben sie Informationen rund um ihr Schulgebäude und ihre Klasse zusammengetragen sowie den Klassenlehrer, Schulleiter und Direktor interviewt. Schöner Nebeneffekt: so wird gleichzeitig mehr Identität mit der eigenen Schule gestiftet.

 

Die Arbeit mit lo-net wird Routine

Die Texte und Bilder hat Felix Lund in die virtuelle Arbeitsumgebung lo-net eingestellt. So konnten die Schülerinnen und Schüler ihre Texte in Ruhe zuhause fertig schreiben, ins Französische übersetzen und Photos auswählen. „Sich die Hausaufgaben in einem virtuellen Klassenraum wie lo-net abzuholen und ihre Texte einzustellen, ist für die meisten Schülerinnen und Schüler noch Neuland. Doch nach einem halben Jahr Erprobungsphase wird das langsam Routine“, sagt Felix Lund überzeugt. Die Texte haben sich die französischen Schülerinnen und Schüler auf lo-net abgeholt und ihre eigenen eingestellt. Der Austausch mit den französischen Partnern während und nach der Arbeit erfolgt per E-Mail.

 

Was gibt es Neues aus Hamburg?

Auf dem Plan steht jetzt ein Podcasting-Pingpong. „Damit wollen wir das Hör- und Sprachvermögen steigern. Außerdem ist dies eine gute Alternative zum Chat, den wir wegen recht unterschiedlicher Rahmenbedingungen mit unseren französischen Partnern kaum nutzen können. Mit Podcasting können wir zeitlich und technisch unabhängig voneinander arbeiten und trotzdem miteinander kommunizieren. Das kann sich dann jeder anhören wann und wo er will“, erklärt Felix Lund. „So können wir bald unsere eigene Radiosendung ,Was gibt es Neues aus Hamburg?’ produzieren.“ Um neue Werkzeuge wie Podcasting einzusetzen, nutzt Felix Lund die Begeisterung und die Fähigkeiten seiner Schülerinnen und Schüler. „Ich habe bereits zwei angesprochen, sie arbeiten sich in das Thema ein und stellen es uns dann vor.“

 

In Marseille unterwegs

Das Beste, was die Schule bisher gemacht hat 

Die 8. Klasse war bereits zu Besuch in Marseille. Die Schülerinnen und Schüler waren begeistert und meinten, die Schulpartnerschaft sei das Beste, was ihre Schule bisher gemacht habe. Und sie waren selbst erstaunt, wie gut sie bereits Französisch sprechen und verstehen können. Als bei der Nachmittags-Disco Max Heidenreich, 14 Jahre, mit einem freundlichen „Voulez-vous danser avec moi?“ zum Tanzen aufgefordert wurde, meinte er begeistert: „Das ist ja gar nicht so schwer. Das habe ich verstanden!“ Und zum Fremdsprachenlernen mit eTwinning im Schulalltag meint die 14jährige Mona Hagelstein: „Im Gegensatz zum normalen Unterricht lernt man nebenbei und muss nicht die ganze Zeit anstrengend zuhören. Wenn das Umfeld nur französisch schreibt und spricht, schnappt man viel auf und lernt unbewusst immer mehr dazu. Das ist ziemlich praktisch.“

 

Autorin: Bettina Zeidler

Mehr dazu:

TwinSpace (Webseiten) des Projekts
Brecht-Schulen Hamburg
Collège Saint Louis Marseille

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