Die Nationale Koordinierungsstelle eTwinning ist angesiedelt bei Schulen ans Netz e.V.

Projekt des Monats August 2006

Friedvolles und kooperatives Zusammenleben in Europa

Mit eTwinning entsteht ein deutsch-tschechisches Kinderliederbuch.

 

Seit September 2005 besteht die Schulpartnerschaft zwischen der oberfränkischen Kommunalen Fachakademie für Sozialpädagogik in Konradsreuth-Ahornberg und der tschechischen Strední pedagogická škola a gymnázium Karlovy Vary (Karlsbad). Mit eTwinning wollen sie gemeinsam im Unterricht lernen. Ihr erstes Projekt: Ein deutsch-tschechisches Kinderliederbuch.


 

Uns geht es bei dem Projekt um Traditionspflege auf beiden Seiten“, berichtet Kerstin Orzechowski, Musikpädagogin an der Kommunalen Fachakademie für Sozialpädagogik in Konradsreuth-Ahornberg. „Bei unseren ersten Recherchen haben wir festgestellt, dass traditionelle Kinderlieder in Tschechien noch viel bewusster wahrgenommen werden, als bei uns in Deutschland. Deshalb wollen wir sie wieder auf deutscher Seite ausgraben.“ Dazu suchen die 18 bis 24jährigen deutschen und tschechischen Schülerinnen und Schüler Kinderlieder mit ähnlichen Melodienfolgen und Textinhalten. Die Texte werden dann sinngemäß jeweils ins Deutsche bzw. Tschechische übersetzt. 

 

Unterstützung und Austausch stehen im VordergrundLogo

Wenn das Kinderliederbuch fertig ist, soll es gedruckt an Kindergärten sowie erste und zweite Grundschulklassen rund um Ahornberg und Karlsbad verteilt werden. Bezuschusst wird diese Aktion von der Euregio Egrensis. „Schließlich geht es bei unserer Partnerschaft um gegenseitige Unterstützung, den Austausch von Erfahrungen und die Förderung gut nachbarlicher Beziehungen. Daran möchten wir auch unsere Umwelt teilhaben lassen“, sagt Ulrich Funke, stellvertretender Schulleiter und eTwinning-Projektleiter.

 

Vom privaten E-Mail Kontakt zur Integration in den Unterricht

Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler haben sich mit persönlichen Steckbriefen per E-Mail einander vorgestellt. Im April 2006 gab es dann einen Schüleraustausch. Zwei Exkursionen standen auf dem Programm: ein Tag in Karlsbad und ein Tag in Ahornberg. „Wir haben gemeinsam deutsche und tschechische Lieder gesungen. Das hat richtig Spaß gemacht. SchülerbesuchMomentan schicken wir uns vor allem private E-Mails. Doch ab September geht es richtig los und dann arbeiten wir von der Schule und von zuhause aus gemeinsam an dem Liederbuch“, sagt die 20jährige Schülerin Isabelle Henard. Dazu gibt es bereits einen kleinen Arbeitskreis, der das Projekt koordiniert. Schließlich wollen Texte ausgewählt und Inhalte übersetzt werden. Hinzu kommen Illustrationen, die rhythmische Begleitung sowie pädagogische Tipps zur Umsetzung im Unterricht. „Bisher haben wir das Projekt im Unterricht vorbereitet. Ab dem neuen Schuljahr im September recherchieren wir weitere Kinderlieder in Büchern und im Internet oder fragen im Familien- und Bekanntenkreis. Um Texte, Meinungen oder Bilder mit unseren tschechischen Freunden auszutauschen wollen wir die eTwinning-Arbeitsumgebung nutzen“, erläutert Kerstin Orzechowski. Auch chatten ist geplant und natürlich sollen Notenprogramme auf dem Computer eingesetzt werden.

 

Das Projekt fördert auch den Austausch innerhalb der Schule

Insgesamt arbeiten in dem Projekt bisher 12 tschechische und 24 deutsche Schüler sowie zwei tschechische und sechs deutsche Lehrkräfte zusammen. In Ahornberg unterstützen beispielsweise die Kunstpädagogin Christine Regenberg bei der Illustration des Kinderliederbuchs, und im Thema Bewegungslehre die Kollegin Uschi Findeiß.Rhythmus Auch Schüler wie Isabelle Henard und Lucian Roucka stehen den Lehrkräften und  Mitschülern aktiv zur Seite. „Isabelle hat ihr sozial-pädagogisches Praktikum im tschechischen Asch absolviert und somit bereits einen tiefen Einblick in die Schulwelt des Nachbarlandes erhalten. Deshalb berät sie uns bei der Auswahl der Kinderlieder“, so Kerstin Orzechowski. „Und Lucian ist bilingual deutsch und tschechisch aufgewachsen und hilft uns bei Übersetzungen. Das ist für uns eine große Hilfe.“

 

Gemeinsamkeiten und Unterschiede erleben

Schon in den ersten realen und virtuellen Begegnungen haben Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler viele Gemeinsamkeiten und auch Unterschiede feststellen können. „Ich kommuniziere regelmäßig per E-Mail mit meiner tschechischen Musik- und Deutschkollegin Lenka BlaÅŸková. Der Aufbau des Unterrichts und das Herangehen sind bei uns beiden recht ähnlich“, erzählt Kerstin Orzechowski. „Eigentlich geht es in tschechischen Schulen jedoch strenger zu als bei uns. Das heißt, das Verhältnis Schüler-Lehrer ist autoritärer und der Unterricht ist leistungsorientierter. Wissensvermittlung steht an erster Stelle. Doch Frau BlaÅŸková ist eine junge und sehr engagierte Lehrerin, die diese Tradition aufweicht.“ Solche Beobachtungen hat auch Isabelle bei ihrem Praktikum in Asch gemacht. Und sie hat Ähnlichkeiten unter den tschechischen und deutschen Schülern festgestellt. „Wie wir, haben unsere tschechischen Freunde auch Interesse am Schwimmen oder Reiten und an Technologien wie Handys oder Digitalphotos.“

 

FreundschaftsbaumMan lernt viel mehr

Und was lernen die beiden Schulen im Projekt? „Neben dem Umgang mit Literatur und Kommunikationsmedien, erfahren unsere Schülerinnen und Schüler vor allem, was Völkerverständigung in der Praxis bedeutet, reflektieren ihr Verhalten und öffnen sich für andere Kulturen. Sie erkennen, dass wir ähnliche Probleme haben wie unsere Nachbarn und können Vorurteile besser einordnen“, sagt Ulrich Funke. Und das eTwinning-Projekt regt die Kreativität und das selbstständige Handeln an. Gemeinsam finden sie Antworten auf die Fragen „Wie soll das Liederbuch aussehen und wie können wir über einen längeren Zeitraum gleichzeitig daran arbeiten?“ „In direktem Kontakt mit anderen ist das einfacher. Man lernt viel mehr und merkt sich viel mehr“, meint Isabelle.

 

Wir öffnen uns nach Osten

Ich bin sehr froh über diese Partnerschaft und das eTwinning-Projekt“, sagt Schulleiterin Barbara Spöttl. „Das ist etwas völlig Neues für unsere Schule. Dabei meine ich sowohl die Art der Mediennutzung direkt im Unterricht, als auch solch ein Projekt grenzübergreifend durchzuführen. Und wir orientieren uns damit nach Osten. Das Liederbuch ist eine erste Heranführung an die tschechische Sprache und Kultur. Und Musik ist ein wunderbares Thema, das Menschen verbindet.“

Autorin: Bettina Zeidler

Mehr dazu:

www.fak-sozpaed-ahornberg.de
www.berufliche-schulen-ahornberg.de 

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