Projekt des Monats April 2007
Amitié sans frontières – Freundschaft ohne Grenzen
Mit Medien lassen sich nachhaltige Partnerschaften entwickeln
In dem Projekt „Amitié sans frontières“ (Freundschaft ohne Grenzen) tauschen sich die Findorffschule in Grasberg und das französische Collège du Val Cérou in Cordes-sur-ciel über Alltag und Kultur in ihren Ländern aus. Auf diese Weise wollen sie gemeinsam das Leben in ihren Ländern erforschen. Zum Auftakt ihrer Schulpartnerschaft haben sie ein gemeinsames Online-Magazin oder eJournal entwickelt.
„Ich weiß noch genau, wie ich schon drei Wochen nach meiner Registrierung bei eTwinning die E-Mail von Martine Masson erhielt. Sie ist Deutschlehrerin am Collège du Val Cérou in Südfrankreich und wollte gern ein eJournal machen. Doch weder sie noch ich wussten, wie das geht“, erzählt Birgit Drube-Block, Englisch- und Französischlehrerin an der Findorffschule in Grasberg. „Uns beiden war jedoch sofort klar, dass unsere Klassen zusammen passen. Und so haben wir einfach losgelegt.“
„Echte“ Menschen kennenlernen
Die Schülerinnen und Schüler sind zwischen 13 und 15 Jahre alt. „Am Anfang waren sie sehr skeptisch“, erzählt Birgit Drube-Block. „Sie wussten ja nicht, mit wem sie es zu tun hatten. Als sie die ersten Fotos erhielten, waren sie erstaunt und meinten ‚Die sehen ja genauso aus wie wir.’ Inzwischen sind die Schülerinnen und Schüler begeistert, weil sie eine Fremdsprache praktisch anwenden können und dabei „echte“ Menschen kennenlernen. Genau das ist auch das Ziel des Freundschaftsprojektes: mit Hilfe der multimedialen Kommunikation sollen die Schülerinnen und Schüler nicht nur ihre Kenntnisse in der Fremdsprache verbessern, sondern auch Kultur und Sprache neu entdecken.
Durch entdeckendes Lernen zum Werkzeugspezialisten
Nach dem ersten Kennenlernen per E-Mail und Fotos ging es an die gemeinsame Erstellung des eJournals. Also haben Lehrerinnen und Schüler zunächst das elektronische Werkzeug „eMagazine“ erforscht und dabei einen Merkzettel zu den wichtigsten Funktionen erstellt. „Wir haben im Unterricht einfach angefangen und uns das eMagazine gemeinsam am Rechner angesehen“, berichtet Birgit Drube-Block. „Versuch und Irrtum waren da natürlich vorprogrammiert. Doch genau das hat uns Spaß gemacht und gerade durch den wechselseitigen Austausch von Kenntnissen haben wir gelernt. Das war entdeckendes Lernen.“ Auch Blogging und andere Tools haben sich die Lehrerin und ihre Schüler auf diesem Weg erschlossen.
Die Arbeitsweise entscheiden die Schüler selbst
Das Konzept der Zusammenarbeit ist einfach: Damit echte Freundschaften entstehen können, haben sich alle selbst ihre Freundin oder ihren Freund in der Partnerschule ausgesucht. Nach einer ersten Vorstellung drehte sich alles um das Thema „Schule“. Dazu haben sich sowohl die deutschen als auch die französischen Schülerinnen und Schüler durch Textmodelle und Inhalte ihrer Partner inspirieren lassen und dann über ihre eigene Schule geschrieben. Die deutschen bzw. französischen Texte wurden im eJournal editiert und veröffentlicht. Die Themen, die Umsetzung und das Tempo haben die Schüler immer selbst bestimmt. Dazu haben sie sich Ziele gesetzt und entschieden, wie sie arbeiten und ob sie die Themen einzeln oder in Gruppen umsetzen. „Das ging vollkommen reibungslos. Alle haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten gelernt und Bestätigung erhalten. Und ich werde dabei entlastet“, freut sich die Lehrerin. „Die Jugendlichen haben sogar geschlechterübergreifend zusammen gearbeitet.“ Ein Beispiel: Mädchen, die schneller im Umgang mit dem Werkzeug sind, haben Jungen geholfen, diese wiederum unterstützen bei der Recherche. Das eJournal setzt soziale Prozesse in Gang, die die Schüler selbst gar nicht bemerken.
Themen, die sie wirklich interessieren
Im Rahmen des Curriculums haben sich die Schüler weitere Themen für ihr eJournal unter anderem aus den Bereichen Freizeit, Sport und Musik ausgesucht. „Ich habe bisher die meist besuchte Seite“, freut sich Martin aus der 8. Klasse. Alle haben im eJournal die Möglichkeit, ihre persönlichen Interessen und Vorlieben zu publizieren. „Endlich können sich die Schülerinnen und Schüler zu den Themen äußern, die sie wirklich interessieren“, so Birgit Drube-Block. „Und sie können damit andere Menschen erreichen. Darauf sind sie sehr stolz.“
Das eJournal ist ein kontinuierlicher Dialog
Durch den Austausch zu den verschiedenen Themen entwickelt sich auch eine eigene Dynamik. So haben beispielsweise deutsche Schüler etwas über Fußball veröffentlicht. Und prompt kam darauf die Antwort der französischen Partnerschülerinnen: „Es lebe der Frauenfußball“. Im eJournal lässt sich immer sofort sehen, wie die Partner reagieren, weil sich zu jedem Beitrag Kommentare erstellen und E-Mails austauschen lassen. Daraus entsteht ein kontinuierlicher Dialog. „Wenn ich mir das so anschaue, dann ist unser Austausch eine richtige Beziehung geworden: Das heißt gemeinsam Feste feiern, aber auch mit Situationen zurechtkommen, bei denen es schwierig wird. Das ist wirkliche Freundschaft“, meint Birgit Drube-Block überzeugt.
Kulturelle Bewusstseinserweiterung liegt auf dem Weg
Auch Themen aus anderen Fächern lassen sich im eJournal aufarbeiten. Als die französischen Partnerschüler das Thema Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht behandelten, veröffentlichten sie dazu Artikel im eJournal. „Unsere Schülerinnen und Schüler waren schockiert und sehr verunsichert. Sie haben sich gefragt, wie die französischen Partner die Deutschen heute sehen. Ich habe ihnen gesagt 'Fragt sie doch einfach'. Die Antwort, die kam, nahm den Schülerinnen und Schülern die Sorgen. Wir haben dann kurze Artikel geschrieben, wie das Leben von Jugendlichen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg weitergegangen ist“, erzählt Birgit Drube-Block.
Das eTwinning-Projekt ist ein „Edelstein“
Jetzt geht es mit den Schülern in den Süden Frankreichs. Gemeinsam werden die Partnerschulen ihren weiteren Weg der Freundschaft vorbereiten. Dass ihnen dies gelingt, steht für die beiden Lehrerinnen außer Frage. Schließlich hat die Findorffschule in Grasberg im letzten Schuljahr das eTwinning-Qualitätssiegel erhalten. Und auch die Schulinspektion hat den Wert des eTwinning-Projekts als Beitrag für die internationalen Beziehungen erkannt: „Das ist ein ‚Edelstein’ der Schule.“
Autorin: Bettina Zeidler
Mehr dazu:
http://directioneurope.blogspot.com/ und http://dimensioneurope.blogspot.com/ (Projektblogs)
Web-Fotoalbum
Homepage der Findorffschule
Homepage der französischen Partnerschule
Schülerstatements: Das halten Schüler von eTwinning



