Die Nationale Koordinierungsstelle eTwinning ist angesiedelt bei Schulen ans Netz e.V.

Projekt des Monats Mai 2007

Samarbete – Virtuelle Zusammenarbeit auf Deutsch-Schwedisch

„Samarbete“ ist schwedisch und heißt „Zusammenarbeit“. Gemeinsam mit ihrer Partnerschule Balingsnässkolan in Stockholm erkunden Schülerinnen und Schüler der Georg-August-Zinn-Schule Düdelsheim im hessischen Büdingen das Leben in Deutschland und Schweden. Dazu nutzen sie Blogs, E-Mails, Chats und eine gemeinsame Webseite.


Welche Vorlieben und Hobbys haben die Schülerinnen und Schüler der Partnerschule? Was erleben sie täglich in ihrer Schule? Wie verbringen sie ihre Pausen und wie gehen sie im Unterricht vor? Wie ist das Leben im anderen Land? Genau darum geht es im Projekt „Samarbete“.

 

Geringe Hemmschwellen

„Unsere Projektsprache ist Deutsch“, erzählt Solveig K.-Wiegand, Lehrerin an der Georg-August-Zinn-Schule. „Ich habe das Projekt direkt nach meiner neunjährigen Elternzeit gestartet. Die Idee von eTwinning hat mich sofort fasziniert und ich wollte dieses Projekt unbedingt umsetzen. Ich kannte die Schüler noch nicht und wusste nicht, wo sie im Englischen standen. Die schwedische Klasse lernt jedoch Deutsch und so können wir beide Sprachen nutzen und die Hemmschwellen gering halten. Denn die interkulturelle Arbeit und der Einsatz der Medien ist an sich schon eine Herausforderung. Doch das Schöne ist, dass Jugendliche in der Mediennutzung vollkommen unkompliziert sind und schnell lernen.“

 

Die Chance, etwas Neues auszuprobieren

Neben dem Austausch der Partnerklassen untereinander will Solveig K.-Wiegand, die an der Büdinger Hauptschule Englisch und Arbeitslehre unterrichtet, vor allem didaktische und methodische Unterschiede kennenlernen. Die Zusammenarbeit mit ihrer schwedischen Kollegin Anna Shumilova, Deutsch- und Englischlehrerin an der Balingsnässkolan, bietet sich dazu an. „Meine innere Motivation war, dass ich herausfinden wollte, was an dem Unterricht in Schweden anders ist“, sagt Solveig K.-Wiegand. „Inzwischen haben Anna und ich bereits eine vollständige Unterrichtseinheit für den Englischunterricht zum Thema „Nachmittagsjob“ ausgetauscht, diese im Unterricht erprobt und durch die Schüler evaluieren lassen. Ichwar erstaunt, dass es gar nicht so viele Unterschiede gibt, wie ich aufgrund der Pisa-Ergebnisse vermutet hatte.“

 

Virtuelle Zusammenarbeit im Schulalltag

Ihren Austausch haben die 14- bis 16-jährigen Schweden und Deutschen mit dem Thema „Einschulung“ gestartet. Wie erleben Schülerinnen und Schüler diesen Tag? Innerhalb von wenigen Minuten haben sich die Jugendlichen dazu Gedanken und Stichworte gemacht und sich danach per E-Mail ausgetauscht. Das Ergebnis: Während in Deutschland die Schultüte verbreitet ist und es in Hessen zusätzlich die obligatorische Riesenbrezel gibt, hat dieser Tag in Schweden keine besondere Bedeutung.

 

Auch ihre Städte wollten die Partnerschüler kennenlernen. Dazu hat die Büdinger Schule Informationen über Stockholm im Internet recherchiert und eine PowerPoint-Präsentation über die Stadt erstellt. Parallel dazu hat die schwedische Partnerschule eine Präsentation über Büdingen erstellt. Anschließend haben die Klassen die Präsentationen ihrer Partner entsprechend ergänzt. „Die Schüler waren begeistert, mit den schwedischen Partnerschülern am gleichen Thema zu arbeiten“, freut sich Solveig K.-Wiegand. „Letztes Jahr haben wir für unsere Arbeit das eTwinning-Qualitätssiegel erhalten. Wir standen mit unserem Projekt in der regionalen Presse und wurden immer wieder in den Medien genannt. Das motiviert die Schüler sehr und gibt ihnen das Gefühl, ein bisschen „berühmt“ zu sein.“

 

Nach der Schule in Chat und Blog

Im Unterricht arbeiten sie manchmal zu zweit und können sich Themen aussuchen, an denen sie gemeinsam arbeiten wollen. Alle Informationen und Ergebnisse stellen die Partnerklassen auf ihre virtuelle Arbeitsplattform. Dort finden sich inzwischen Steckbriefe, Präsentationen und vieles mehr. Und nachmittags und abends chatten die Partnerschüler auch privat miteinander. Außerdem gibt es inzwischen einen Blog, in dem sie Interviews veröffentlichen und direkt zu unterschiedlichsten Themen Fragen stellen können.

 

Das große Ziel: eine Reise nach Schweden

Trotz der Begeisterung an der Medienarbeit träumen die Jugendlichen natürlich von einer realen Begegnung mit ihren schwedischen Freunden. Und da diese Reise nun einmal Geld kostet, haben sie die Schülerfirma „GAZ-Jobfinder“ gegründet, die Dienste rund um den Haushalt anbietet: Einkäufe, Rasen mähen, Hunde ausführen, vorlesen und vieles mehr. „Der „GAZ-Jobfinder“ war eine riesige Herausforderung für uns alle, doch vor allem für die Schüler, denn sie mussten sich mit ganz neuen Dingen beschäftigen, wie zum Beispiel mit der rechtlichen Absicherung und den Grundprinzipien einer Genossenschaft“, berichtet die Lehrerin.

Phantasie und Ausdauer führen zum Erfolg

Und sie hatten das Glück, dass genau zu diesem Zeitpunkt bei Schulen ans Netz e. V. ein eTwinning-Schülerwettbewerb ausgeschrieben wurde. Dort waren Ideen gefragt, wie sich eTwinning unter Schülern bekannt machen lässt. Der „GAZ-Jobfinder“ bot sich dazu an, sein Angebot auf Services rund um europäische Schulpartnerschaften auszuweiten.
So haben die erfahrenen eTwinner Klick- Anleitungen und ein eTwinning-Theaterstück entwickelt, das sie im letzten März in einer Nachbarschule aufgeführt haben. „Das war ein großes Projekt und die Schüler haben richtig geschuftet. Doch es hat ihnen riesigen Spaß gemacht“, fährt Solveig K.-Wiegand fort. „Und sie haben sehr viel gelernt: Logos und Flyer zu entwickeln, Lehrkräften und Schülern die Nutzung des TwinSpace zu erklären, ein Drehbuch zu schreiben und Theater zu spielen. Und außerdem haben wir den Preis in Höhe von EUR 1000,- gewonnen.“

 

„Let’s swap places“ oder „Wir tauschen unsere Stühle“

Im Unterricht wollen die beiden Partnerschulen demnächst die Plätze tauschen und einen schwedischen Schultag in Deutschland und umgekehrt simulieren - so als säßen die Büdinger Schüler und Lehrer auf einem schwedischen Stuhl, in einem schwedischen Klassenraum. Und wenn die Schweden um 9 Uhr anfangen, dann fangen sie eben auch erst um 9 Uhr an.

 

Wie eine Perle in der Auster

Solveig K.- Wiegand ist von eTwinning überzeugt und meint abschließend: „Ich habe mit eTwinning gesehen, was alles möglich ist. Genau das wollte ich herausfinden. Wie weit kann ich gehen und wie können wir Schülerinnen und Schüler in ihrer Persönlichkeit und ihrer Selbstständigkeit mit einem solchen Projekt fördern? Ich finde, es ist eine Gratwanderung, denn irgendwann machen Schüler auch dicht. Wie eine Auster. Doch da ist eine Perle drin und es lohnt sich, diese herauszulocken. eTwinning hat den Jugendlichen eine Welt eröffnet, die sie noch gar nicht kannten. Sie werden sich immer an eTwinning erinnern und Europa ist ihnen ein großes Stück näher gekommen!“

 

Autorin: Bettina Zeidler

 

Mehr dazu: 

Homepage der Georg-August-Zinn-Schule Düdeslheim
Webseite und virtueller Arbeitsraum von Samarbete
eTwinning-Blog des Projekts
Webseite der Schülerfirma „GAZ-Jobfinder“
Bericht zur Arbeit der Schülerfirma
Verleihung des Qualitätssiegels 2006

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