Die Nationale Koordinierungsstelle eTwinning ist angesiedelt bei Schulen ans Netz e.V.

Projekt des Monats Februar 2008

La integración del alumnado inmigrante en los centros escolars

Schulische Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

eTwinning-Logo mit Fahnen„Migration ist für unsere Schüler ein europäisches Thema“. In dem deutsch-spanischen eTwinning-Projekt „La integración del alumnado inmigrante en los centros escolars“ untersuchen Jugendliche in Galizien und im Saarland Erfahrungen und Einstellungen zu Migration an ihren Schulen.


Im saarländischen Dillingen unterrichtet Linda Machwirth am Technisch-Wissenschaftlichen Gymnasium Spanisch und Mathematik. Über eTwinning startete sie 2006 eine Partnerschaft mit dem Schulzentrum IES Xulián Magariňos im spanischen Galizien. Während die Abiturienten im Saarland vor allem ihre Spanischkenntnisse verbessern sollten, hatten die Schülerinnen und Schüler in Galizien die Aufgabe, ihre Mitschüler zu ihren Erfahrungen mit Migration zu befragen und diese Untersuchung auszuwerten.

 

Schüler an Notebooks

Linda Machwirth beschreibt, wie die beiden Schulen trotz unterschiedlicher Ziele gut zusammenarbeiten. „Die spanische Schule hat ein Fach Métodos auf dem Lehrplan, in dem es um Statistik, Informatik und Computerkenntnisse geht. Mein Kollege Adelino Pose Reino unterrichtet dieses Fach und ist als Schulleiter für die Integration zugewanderter Schüler verantwortlich. Sein Schulzentrum unterstützt mit verschiedenen Maßnahmen die Integration zugewanderter Jugendlicher. Um den Statistik-Unterricht für seine Schüler realitätsnäher zu gestalten, lässt er sie die Wirksamkeit der Maßnahmen untersuchen. Die Lebendigkeit entsteht durch den Austausch mit uns. Für mich steht im Mittelpunkt, dass sich die Schüler in meinem Unterricht mit real existierenden Personen in spanischer Sprache austauschen können.“

 

Die Stimme aus dem Netz

Die Spanischlehrerin hatte bereits seit einigen Monaten vergeblich nach einer Partnerschule in Spanien gesucht bevor sie auf eTwinning traf. „Mit einer Schule in Madrid hatte ich E-Mail-Kontakt, aber die spanischen Eltern und Lehrer wollten keine Kontakte der Schüler über das Internet, weil sie befürchteten, dass E-Mail-Adressen und Fotos unerlaubt veröffentlicht würden. Ich war die Stimme aus dem Netz und sie wussten nicht, ob es mich wirklich gibt. Auf einer Fortbildung hatte ich erfahren, dass eTwinning geschützte Räume im Internet anbietet, in denen nur Mitglieder Zutritt haben.“ Linda Machwirth hatte Glück: Kaum hatte sie sich bei eTwinning eingetragen, erhielt sie die E-Mail einer spanischen Schule mit einer Projektidee, die in ihren Lehrplan passte.

 

Der Chat als Eisbrecher

Die Dillinger Schüler trauten sich am Anfang kaum, eine E-Mail nach Galizien zu schreiben. Erst ein Chat, bei dem die Schüler in Echtzeit über das Internet miteinander kommunizieren konnten, brachte den Durchbruch. „Der erste Chat war vollkommen chaotisch, die Texte sind in einer Geschwindigkeit über den Bildschirm gelaufen, dass niemand so schnell alles lesen konnte. Trotzdem kommunizierten alle am Ende miteinander. Niemand achtete mehr auf perfektes Spanisch, dafür ging alles zu schnell. Sie zeigten sich Fotos, die wir auf die eTwinning-Plattform gestellt hatten, um sich kennenzulernen und schrieben über alles Mögliche. Dieser Kontakt, der da entstand, war völlig losgelöst vom Thema Einwanderung. Sie waren sich am Schluss total sympathisch, kannten sich und mochten sich.“ Das war der Startschuss für die Zusammenarbeit. Jetzt wurden Fragen zum Thema Migration ausgetauscht, übersetzt und diskutiert. Mit dem gemeinsamen Fragenkatalog ausgerüstet, konnte jetzt die Umfrage an beiden Schulen beginnen.

 

Die technischen Möglichkeiten für den Austausch nutzenSmartBoard

In Dillingen ist die eTwinning-Partnerschaft in der 13. Jahrgangsstufe Teil des regulären Spanisch-Unterrichts. Da das Gymnasium mit interaktivem SMART Board und Beamer, Schüler-Notebooks und W-LAN im gesamten Gebäude technisch sehr gut ausgestattet ist, können die Schüler jederzeit individuell und in Gruppen am Projekt arbeiten, aber auch über E-Mail den freundschaftlichen Kontakt mit ihren Partnern in Spanien pflegen. Fragen werden in der Klasse gemeinsam entwickelt. Kleingruppen werten die Umfrageergebnisse am Computer aus, diskutieren die Ergebnisse und erstellen Powerpoint-Präsentationen. Steht ein Chat-Termin auf dem Stundenplan, kommen alle zusammen. Die eTwinning-Plattform bietet die Möglichkeit, in einem geschützten virtuellen Raum mit den Schülerinnen und Schülern der Partnerschule zu kommunizieren. Auch Schüler, die weder eine private Email-Adresse noch einen Internetzugang besitzen, können in der Schule über die eTwinning-Plattform alle Möglichkeiten nutzen und den Umgang mit modernen Medien nicht nur erlernen, sondern auch praktisch anwenden.

 

Wie fühlen sich zugewanderte Schüler?

Spanische Gruppe

Inzwischen geht das eTwinning-Projekt in die zweite Runde. Die erste Gruppe hatte ermittelt, dass die spanische Schule viel mehr zur Integrationsförderung unternahm als die saarländische. Es stellte sich heraus, dass in Galizien die Probleme für zugewanderte Schüler jedoch auch größer waren. In Dillingen fühlte sich die Mehrzahl der zugewanderten Schüler akzeptiert, doch stellten sie auch eine Minderheit in der Schule dar. Nachdem die erste eTwinning-Gruppe Abitur gemacht hat, hat nun der neue Jahrgang die Umfrage zur Integration zugewanderter Schüler im Februar 2008 erneut durchgeführt, um Veränderungen festzustellen. Hinzu kamen jetzt auch offene und persönliche Fragen. Dies wurde von den Schülern beider Gruppen gewünscht, welche sich, angeregt durch das Projektthema und die Umfrageergebnisse des letzten Schuljahres, jetzt viel stärker für Probleme, Gefühle und Erfolge zugewanderter Schüler interessieren.

 

Beide Schulen planen jetzt, sich gegenseitig zu besuchen und die Projektergebnisse in gemischten Kleingruppen auszuwerten. Als Ergebnis soll so in diesem Jahr eine gemeinsam erstellte Präsentation aller Schüler entstehen. Der Besuch wird mit einem landeskundlichen und kulturellen Programm verbunden.

 

Während die Spanisch-Lehrerin am Anfang vor allem ihren Spanisch-Unterricht durch den direkten Kontakt bereichern wollte, ist die Kommunikation in der spanischen Sprache für die Schüler bereits so selbstverständlich geworden, dass sie den Gewinn des Austauschs jetzt woanders sehen: Durch die persönlichen Kontakte hat sich ihr Zugang zum Thema Migration sehr verändert und davon haben sie aus ihrer Sicht am meisten profitiert.

 

 

Mehr dazu:

Technisch-Wissenschaftliches Gymnasium Dillingen
IES Xulián Magarinos

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