Projekt des Monats März 2008
Mathematics in our life
Mit eTwinning wird Mathematik lebendig

Die Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Böll-Gesamtschule in Oberhausen und ihrer spanischen Partnerschule Colegio "Ciudad De Almería” wissen, dass Mathematik richtig spannend sein kann: Gemeinsam vergleichen sie ihre Lebenswelten, entwickeln eigene Aufgaben dazu, werten die Daten mit Tabellen und Diagrammen statistisch aus und diskutieren die Ergebnisse per Chat und E-Mail.
„Wir möchten mit Hilfe der Mathematik statistische Probleme lösen und unseren Schülerinnen und Schülern die Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer Lebensstile in Deutschland und Spanien verdeutlichen“, erzählt Uwe Bugdoll, Lehrer für Mathematik, Technik und Informatik sowie Beratungslehrer für Schülerentwicklung an der Heinrich-Böll-Gesamtschule in Oberhausen. „Als
ich von eTwinning erfahren habe, wusste ich, dass dies ein idealer Weg ist, um Mathematik mal ganz anders zu gestalten.“
Aus staubtrockener Theorie wird lebendige Praxis
Statistik stand im Sommer letzten Jahres auf dem Plan der neunten Klasse. Uwe Bugdolls Schüler sollten die grundlegenden Konzepte der Statistik kennen lernen und erfahren, wie sich Antworten auf statistische Probleme interpretieren lassen. Darüber hinaus sollten sie lernen, Daten auszuwerten und in Form von Diagrammen darzustellen. Was bot sich da besser an, als mit Themen aus der Lebenswelt der Jugendlichen zu arbeiten? Gesagt, getan.
Die Schüler entwickeln ihre eigenen Aufgaben
So sammelten Uwe Bugdoll und seine spanische Kollegin Isabel María Fernández Hinojo mit ihren je 30 Schülern im Alter von 13 bis 15 Jahren alles, was sie interessiert und von den Partnerschülern wissen wollten: Musikgeschmack, Körpergröße, Lieblingsfarben, Haustiere, Taschengeld und vieles mehr. Daraus haben die deutschen und spanischen Schüler nach und nach einen gemeinsamen Fragebogen entwickelt und die entsprechenden Daten in ihrem Land gesammelt. Anschließend stellten sie diese der Partnerschule zur Verfügung, die sie dann auswerteten. Projektsprache ist bis heute Englisch. „Unser Englisch ist nicht perfekt, doch die Verständigung klappt sehr gut“, meint Lehrer Bugdoll zufrieden.

Realitätsnahe Tabellenkalkulation
Der Einsatz von Tabellenkalkulationsprogrammen ist ebenfalls im Lehrplan verankert. „Mit eTwinning kann ich diese Anforderungen lebendig und realitätsnah vermitteln“, fährt er fort. Im Unterricht hat er dazu Schülerteams gebildet, die jeweils einen Teil der Fragestellungen bearbeiten und die entsprechenden Daten der spanischen Partnerschüler mit Excel ausgewertet und aufbereitet haben. Die Ergebnisse haben sie anschließend im TwinSpace, ihrer gemeinsamen Arbeitsumgebung auf www.etwinning.net, hoch geladen.
Passende Diagramme und Abschlussbesprechung per Chat
Als nächstes hatten die Schüler die Hausaufgabe, weitere Auswertungen zu den verschiedenen Fragestellungen durchzuführen und dazu unterschiedliche Diagramme zu erstellen. Sie sollten selbst erarbeiten, welche Diagrammformen helfen, Daten zu veranschaulichen. Der Lerneffekt: Manche noch so tollen Diagramme liefern keinerlei Aussage über die Lebenswelten von Jugendlichen in Deutschland und Spanien. Um die Ergebnisse zu vergleichen und zu diskutieren, trafen sich zum Abschluss alle im Chat. „Ein bisschen mussten wir darauf achten, dass die Schüler nicht nur über Musik sprechen, sondern auch über sachliche Themen“, sagt Uwe Bugdoll augenzwinkernd.
Lösungen kommen schon mal per E-Mail am Sonntag
Im Gegensatz zu den spanischen Schülern, haben alle deutschen Schüler zuhause einen DSL-Anschluss und Computer. So können die Schüler jederzeit ihre Lösungen von zuhause per E-Mail an Uwe Bugdoll schicken. Mitunter geschieht das auch am Wochenende. Und wenn es mal Schwierigkeiten gibt, lösen die Schüler die Aufgaben im Team per E-Mail, Telefon oder SMS, entweder allein oder mit Unterstützung ihres Mathelehrers.
„Mit eTwinning wird der Unterricht um einiges spannender“
„Die deutschen und spanischen Schüler sind unglaublich motiviert“, sagt Uwe Bugdoll stolz. „Selbst am Freitagabend haben wir uns schon mehrere Male im Chat getroffen. Und die spanischen Schüler haben
einen ganzen Abend mit Isabel in der Schule verbracht.“ Das bestätigt auch Nathalia, 16 Jahre: „Durch eTwinning wird der Unterricht um einiges spannender. Es ist sehr motivierend, die Ergebnisse mit der Partnerschule austauschen zu können.“
„Sie fühlen sich wie die Avantgarde“
Das Projekt bietet viele Anknüpfungspunkte für neue Aufgaben. Denkbar wäre ein virtuelles Reisebüro, bei dem sich Daten zum Tourismus in Oberhausen und Almería wunderbar einbinden ließen. An Ideen und Projekten mangelt es in der Schule nicht. „Wir mussten die Schienen legen und nun läuft der Zug alleine. Schließlich sind die Schüler häufig besser mit dem Medium Computer vertraut als wir Lehrkräfte“, sagt der Lehrer. „Und so fühlen sie sich wie die Avantgarde, die mit spanischen Schülern im gleichen Alter zusammen arbeiten und finden es selbstverständlich, Aufgaben kooperativ auf internationaler Ebene zu lösen.“
„Die sind genauso wie wir“
Viele der deutschen Schüler kennen Spanien aus dem Unterricht und aus dem Urlaub. Kontakte mit Spaniern haben sie jedoch erst durch das Projekt geknüpft. Und ihre Excelauswertung hat ihnen gezeigt, dass sie gar nicht so verschieden sind, auch wenn beispielsweise 3,8% der spanischen Schüler Schlangen als Haustiere und die deutschen Schüler zu 60% gar keine Haustiere haben oder sich die deutschen Schüler weitaus mehr für Musik und Fußball begeistern. Die spanischen Schüler können auch nur kleine Unterschiede feststellen: „They travel a lot. (…) We do not need to travel“, meint Celia, 14 Jahre, und ihr Klassenkamerad Jesus, 14 Jahre, sagt: “We spend more time outside.“

Impulse für die ganzen Schule
Am Tag der offenen Tür hat eine Schülergruppe Fragen zu ihrem eTwinning-Projekt beantwortet. Weit über zweihundert Personen besuchten die Ausstellung. Und Schulleiter Dr. Peter Langer konnte Eltern potentieller Schüler stolz berichten, dass dank innovativer Projekte wie eTwinning Mathe nach Sport das beliebteste Fach an der Heinrich-Böll-Gesamtschule ist. Er will sich jetzt sogar als Europaschule und für den bilingualen Unterricht bewerben. Wer weiß – vielleicht machen Schüler in Deutschland in naher Zukunft Prüfungen auf europäischer Ebene?
Autorin: Bettina Zeidler
Mehr dazu:



