Projekt des Monats Mai 2008
Auf den Spuren von Joan Miró
Schüler der vierten Klassen der Grundschule Oberfischbach und der luxemburgischen „Ecole primaire Lamadelaine“ lernen den spanischen Künstler Joan Miró kennen und lassen sich zu gemeinsamen Bildern inspirieren. Sie nutzen ein Malprogramm, Videokonferenzen, E-Mail, Chat und eine interaktive Tafel, ein so genanntes SMART Board für ihren Austausch. Ihre Kunstwerke zeigen sie öffentlich in einer virtuellen Kunstgalerie.

„Das werden wir nie vergessen“, sagen die Kinder der damaligen Klasse 4a der Grundschule Oberfischbach noch heute, wenn man sie zu ihrem eTwinning-Projekt „Auf den Spuren von Joan Miró“ befragt. „Dieses Projekt war für uns alle ein echtes Highlight“, meint auch ihre Lehrerin Henriette Rohwedder. Als Schulleiterin und eTwinning-Projektleiterin hatte sie das Projekt 2007 initiiert.
Mit eTwinning ist interkulturelles Lernen fester Bestandteil des Schulalltags
Länderübergreifenden Austausch kennt ihre Schule schon lange. Denn mit ihrer Partnerschule „Ecole primaire Lamadelaine“ steht sie schon seit neun Jahren im Kontakt. Beide wollten ihre Partnerschaft als festen Bestandteil im Schulalltag institutionalisieren. Ein Comenius-Projekt erschien Henriette Rohwedder und ihrer luxemburgischen Kollegin Claudine Trausch zu aufwändig und da kam ihnen die Aktion eTwinning mit ihrem einfachen und unbürokratischen Rahmen sehr entgegen.
Europa – wie wir leben
„Im Miró-Projekt war es unser Ziel, den Kindern anhand eines kreativen und künstlerischen Themas fächerübergreifend selbstständiges Lernen und ein Stückchen mehr Europa näher zu bringen“, erzählt die deutsche Schulleiterin. „Europa lieg mir sehr am Herzen. Ich bin selbst im ‚Grenzgebiet’ groß geworden. Ich möchte, dass unsere Kinder verstehen, wie das Leben in Europa aussieht.“ Über den spanischen Künstler Miró und sein Lebenswerk wollten sie ein Stück Europa gemeinsam entdecken – sowohl die Kultur ihrer luxemburgischen Partnerschule als auch die Kultur Spaniens.
Miró kommt ins Klassenzimmer 
Auf einer eTwinning-Veranstaltung 2007 in Bonn trafen sich die beiden Lehrerinnen zur Projektvorbereitung. Claudine Trausch gestaltete mit ihrer Kollegin eine PowerPoint-Präsentation mit Informationen zu Miró und seinen Kunstwerken. So konnten die Lehrerinnen miteinander die Bilder auswählen, die sie mit ihren Klassen besprechen wollten. Ihr Ziel: eine gemeinsame virtuelle Kunstgalerie. Wieder zurück in Oberfischbach und Lamadelaine stellten sie das Projekt ihren Schülern vor und entwickelten mit ihnen die einzelnen Schritte. Nach einer ersten persönlichen Kontaktaufnahme zwischen den Partnerklassen führten die Lehrerinnen mit ihren Schülern eine kleine Miró-Werkstatt durch. Zum Auftakt recherchierten sie im Internet und sahen sich die Powerpoint-Präsentation an, um mehr über Joan Miró zu erfahren: „Wie hat Miró gelebt? Wie sind seine Bilder aufgebaut? Welche Formen und Farben verwendet Miró und was verbirgt sich hinter diesen Formen?“
Einführung in digitale Programme per interaktiver Tafel
Um wirkungsvoller mit Formen und Farben Mirós experimentieren zu können, nutzten die Schüler elektronische Werkzeuge. Henriette Rohwedder zeigte ihnen, wie sie mit dem digitalen Malprogramm „Paint“ Bilder erstellen können. Dabei setzte sie die interaktive Tafel ein, die sie als Anerkennung für ihr erstes eTwinning-Projekt erhalten hatten, das mit dem eTwinning-Qualitätssiegel des Schuljahrs 2006/2007 ausgezeichnet wurde. "Das SmartBoard ist sehr praktisch“, erzählt Henriette Rohwedder. „Ich kann damit neue Programme einführen. Und die Kinder nutzen es, um sich gegenseitig ihre Arbeiten zu zeigen und einander Tipps zu geben, wie sie bestimmte Effekte am besten erzeugen können.“
„Das Herz trifft die Quadratzwillinge“ – Schüler gestalten ihre eigenen Miró-Kunstwerke
Inspiriert von den Miró-Bildern "Katze, umkreist vom Flug eines Vogels" und "Das Lied der Nachtigall um Mitternacht und der Morgenregen" kreierten die Schüler zu zweit ihr eigenes Miró-Bild am Computer. Dazu nutzten sie ein Grafiktablett,
das aus einer Oberfläche im A4-Format und einem elektronischen Stift besteht. Ob Monde, Sterne oder Herzen in unterschiedlichsten Farben und mit vielfältigsten Hintergründen - so lässt es sich wie auf einem Blatt zeichnen. Im Wochenplan haben die Kinder sechs bis acht Stunden immer zu zweit an ihren Bildern gearbeitet. Manchmal haben sich auch zwei Paare zusammen gefunden und sich gegenseitig beraten.
Zusätzlich zur PowerPoint Präsentation diente ihnen das Bilderbuch „Karneval der Harlekine“ des Dichters Josef Guggenmos als weitere Quelle der Inspiration. Angeregt durch seine Texte haben die Kinder eigene Fantasiegeschichten zu ihren Bildern entwickelt und Bildunterschriften verfasst.
Fachgespräche und Smalltalk – regelmäßige Kommunikation ist wichtig
Per Skype-Videokonferenz trafen sich die Partnerschüler jeden Donnerstag für 20 Minuten, um einander ihre Bilder zu zeigen und von ihren Fortschritten zu berichten. Auch über Fachthemen konnten sie sprechen, beispielsweise wie sie bestimmte Bildeffekte erzeugt haben. Darüber hinaus interessierten sie kulturelle Eigenheiten ihrer Länder und sie haben deutsche und französische Texte und Lieder ausgetauscht. Natürlich durfte auch der Smalltalk nicht fehlen: „Welche Fächer habt und mögt ihr? Wie feiert ihr Karneval? Habt ihr Muttertag und Vatertag?“ Auch für die Videokonferenzen nutzten die Oberfischbacher Grundschüler ihr SmartBoard. So konnten alle Schüler an dem interkulturellen Austausch teilnehmen. „Es hat Spaß gemacht, mit den Luxemburgern Videokonferenzen zu machen“, meinen die ehemaligen Oberfischbacher Grundschüler einstimmig. „Kein Wunder: Zur gleichen Zeit in einen Klassenraum zu schauen - 200 km von uns entfernt! Das fanden die Kinder einfach faszinierend“, meint ihre ehemalige Klassenlehrerin.
Das Ergebnis – eine virtuelle Kunstgalerie
Kurz vor den Sommerferien waren alle Bilder fertig und die Partnerschulen tauschten sie per E-Mail aus, um sie in einer gemeinsamen virtuellen Galerie zu präsentieren. „Es war toll, Bilder von Miró zu sehen und auch zu malen. Wir sind ganz stolz, dass uns die Galerie so gut gelungen ist“, meint die ehemalige Oberfischbacher Grundschülerin Annika.
Autorin: Bettina Zeidler
Mehr dazu:
O-Töne (MP3-Datei)
Die virtuelle Kunstgalerie
Projekthomepage
Qualitätssiegel 2006 für Grundschule Oberfischbach Projekt "Wir Kinder wie wir leben"



